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Auszeichnung für das neue WELTgeschichten-Projekt AMERICANA bei der IFMA in Köln !
Gut vier Wochen vor dem offiziellen Tour-Start gab es am Wochenende schon die erste Auszeichnung für unser neues Projekt „AMERICANA – Mit dem Rad einmal um die USA“. Im Rahmen der Long Distance Bikers Convention bei der IFMA in Köln wurde Dirk Rohrbach neben Handbiker Andreas Pröve und Weltumradler Peter Smolka für seine „andere“ Sichtweise auf Amerika und das jahrelange Engagement für die Sioux-Indianer geehrt. Als Preis gab es Radausrüstung und einen Einkaufsgutschein der Firma Shimano. Vielen Dank !!! Alles weitere steht im folgenden Nachbericht der Agentur grenzgang, die die Long Distance Bikers Convention in diesem Jahr zum zweiten Mal organisiert hatte. Und mehr Infos zur AMERICANA gibt es schon bald hier unter WELTgeschichten.com.
IFMA 2007 und Long Distance Bikers: Die IFMA präsentierte die Welt des Fahrrads – und Reisen mit dem Fahrrad in aller Welt
Die am 16. September 2007 zu Ende gegangene IFMA war nach 2006 bereits zum zweiten Mal Treffpunkt für außergewöhnliche Radreisende. An liebevoll gestalteten Ständen beantworteten acht Extremradler mit ihrer Originalausrüstung und kuriosen Reisesouvenirs die Fragen vieler Neugieriger aller Altersklassen. Im Live-Reportage-Kino fesselten Interviews und Vorträge der Long Distance Biker ein großes Publikum. Am Ende wurde unter Applaus der Handbike-Fahrer Andreas Pröve zum Long Distance Biker 2007 gekürt.
Regina und Steffen Hoppe sitzen vor ihrem Zelt auf einem handgewebten Teppich und servieren den Besuchern, die ohne Ankündigung im Lager auftauchten, arabischen Mokka und Datteln. Steffen registriert die Blicke, mit denen die zerkratzten Mountainbikes bestaunt werden. Bedächtig streicht er sein Jallabiya-Gewand glatt, rückt am Griff des Krummdolches vor dem Bauch und beginnt, die Fragen der Fremden nach den Erlebnissen und Abenteuern der hessischen Kleinfamilie geduldig zu beantworten. „Ja, wir haben mit Fahrrad und Töchterchen Südarabien durchquert!“ Die Szene spielt sich nicht etwa in den Dünen der arabischen Halbinsel ab, sondern in Halle 9 der IFMA in Köln. Es ist eine Weltumradlung in Turboumdrehung, die die Messebesucher an den acht Ständen der Long Distance Biker, im Vortragskino und der Long Distance Bikers Lounge nacherleben können. Die schwer beladenen Drahtesel, vom Staub der Pisten dieser Welt überzogen, die umfangreiche Fahrradliteratur unterschiedlichster Verlagshäuser und das gemütliche, authentische Ambiente regen die Besucher zum Erfahrungsaustausch und Fragen ein. Und wer sind die anderen Radverrückten, die hier ihre Passion mit den Messebesuchern teilen? Zur Rechten der Hoppes spannt sich eine übermannshohe Plane, darauf ein riesiges Foto, das einen förmlich aufsaugt. Zwei winzige Radler, vor Anstrengung und Kälte gebeugt, verlieren sich auf der endlosen, gleißenden Fläche des Uyuni-Salzsees auf dem bolivianischen Altiplano, darüber wölbt sich das blau-weiße Federwolken-Zelt des andinen Himmels. André Schumacher hat mit seinem Freund Burkhard Rothe seinen Reisetraum realisiert und für zwei Jahre Südamerika mit dem Fahrrad durchquert. Nun ist er auf Halbzeit-Heimaturlaub, um von den Erlebnissen unterwegs zu erzählen, bevor er Nordamerika angehen wird. Das hat Radiomoderator und Mediziner Dirk Rohrbach bereits hinter sich: in sechs Monaten und fast 15.000 Kilometern umrundete er die USA mit dem Fahrrad, die er bisher vor allem aus den Reservaten der Sioux-Indianer kannte, für deren kulturelles Überleben er sich seit Jahren engagiert. An solche Distanzen wagt Andreas Pröve nicht einmal zu denken, aber: dafür ist Pröve mit dem Handbike unterwegs. Mit seinem umgebauten Rollstuhl folgte er – durch einen Motorradunfall vor zwanzig Jahren querschnittsgelähmt – dem Verlauf des heiligen Flusses Ganges in ganzer Länge bis zur Quelle im Himalaya. Wer die durchgewetzten Arbeitshandschuhe an seinem Stand sieht, mit denen er sein Gefährt betreibt – und die unfassbaren Bilder, wie sich Andreas durch die verstopften Straßen Kalkuttas zwängt – ahnt, welch Mut, Willenskraft und körperliche Leistung seine Reise erforderte. Gleich drei der anwesenden Long Distance Biker haben die Königstour „abgeritten“ und mit dem Fahrrad die Welt umrundet. Während Claudia Klein-Hitpaß und Uwe Rotter das Fahrrad wählten, um sich Menschen unterschiedlichster Kulturen in ihrem Alltag zu nähern, aber auch immer wieder Etappen mit anderen Verkehrsmitteln einschoben, ist Peter Smolka, einer der bekanntesten deutschen Reiseradler, ein Verkehrsmittel-Purist. Sein Stand wird von den Farbkopien der stempelübersäten Reisepassseiten gepflastert. In vier Jahren legte er über 70.000 Kilometer per Pedal zurück und sammelte dabei Spenden für karitative Projekte. Auf Flüge hat er dabei bewusst verzichtet, von Kontinent zu Kontinent setzte er mit dem Schiff über. Frank Hülsemann hingegen erkundete auf 7000 Kilometern eine Region, die über Dekaden als Reiseland tabu war: Mit dem Fahrrad folgte er dem Verlauf des einstigen Eisernen Vorhangs und kehrte mit ungewöhnlichen Ein- und Aussichten in seine Heimatstadt Köln zurück. Ein anderer Kölner, Hartmut Fiebig, ist der Afrika-Spezialist dieser außergewöhnlichen Radler-Gilde. Er steht an einer Vitrine voller kurioser Andenken aus seiner zweiten Heimat und berichtet den gespannten Zuhörern, wie er auf den Spuren alter Entdecker und Nilforscher mit minimalem Gepäck durchs ostafrikanische Outback pedalierte. Unterwegs nahm er an einer epischen Nilpferdjagd teil, musste sich gegen gefräßige Tsé-Tsé-Fliegen zur Wehr setzen – und wurde schließlich von einer beispielslosen Pannenserie zur Aufgabe seines Fahrrads gezwungen. 11 Jahre später hob er am Rand des Busches das Wrack, setzte es instand und beendete die Tour zum Victoria-See, der Hauptquelle des Nils. Trotz aller Strapazen: für ihn wie für die anderen Long Distance Biker ist das Fahrrad die schönste Form, den Globus – und sich selbst – zu entdecken. Es wird auf einer dieser Reisen im Sattel mit reichlich Zeit zum Nachdenken gewesen sein, dass Hartmut Fiebig die Idee zu den Long Distance Bikers kam – ein jährliches Treffen von Reisebikern und Langzeitradlern, das einem breiten Publikum den Radreise-Virus implantiert – und gleich zahllose praktische Tipps und Tricks für unterwegs mitliefert. Mit großem Aufwand ermöglichte die IFMA die Umsetzung des Projektes bereits zum zweiten Mal, welches von Grenzgang, dem Forum für Reisen, Kultur und Medien, liebevoll gestaltet wurde und in Deutschland wohl seines Gleichen sucht. Dass der Funken übersprang – an den ständig umlagerten Ständen der Reisenden ebenso wie im überfüllten Reportage-Kino, in dem stündlich in Live-Vorträgen über die Reisen berichtet wurde – lag auch an Moderatorin Marion Rodewald. Mit Anteilnahme und Witz stellte sie den Long Distance Bikern im Anschluss all jene Fragen, die dem Publikum auf der Zunge brannten. Höhepunkt der zwei Tage ums Reiseradeln war schließlich die Verleihung des Titels „Long Distance Biker 2007“. Bernhard Lange, Geschäftsführer von Shimano Deutschland, traf vor der Überreichung des dritten Preises an Dirk Rohrbach einen entscheidenden Punkt: Wohl alle der teilnehmenden Radler hätten eine Auszeichnung verdient! Der zweite Preis wurde von Karsten Klama, Pressesprecher des ADFC, an Peter Smolka verliehen. Sieger wurde Reisejournalist und Buchautor Andreas Pröve. Wie Metin Ergül, Bereichsleiter der Koelnmesse, bei seiner Laudatio erläuterte, waren Mut und Vorbildcharakter sowie der entwaffnende Humor, die Offenheit und Unbefangenheit mit der Andreas Pröve jegliche Berührungsängste gegenüber seinem Handicap durchbricht, für die Entscheidung Ausschlag gebend. Maßgebliche Kriterien für die Auszeichnung sind radfahrerische Leistung, karitatives Engagement sowie publizistische Verdienste um die Faszination des Radreisens in Vorträgen, Artikeln und Büchern. Die Auszeichnung war mit Sachpreisen im Werte von 900, 800 und 300 Euro der Firmen Shimano, Ortlieb, Vaude, Magellan, HP Velo Technik, Radlager sowie Petzl dotiert. Jurymitglieder waren Radlegende Tilmann Waldthaler, Karsten Klama, Hartmut Fiebig sowie Bernhard Paul. So war auch die zweite Long Distance Bikers Convention auf der IFMA in Köln – angesichts von rund 2000 Besuchern – buchstäblich ein voller Erfolg. Radler, die vornehmlich auf europäischen Radwegen ihre Leidenschaft für das Fahrradfahren ausleben, holten sich hier ihre Prise Abenteuer oder wie Nachwuchsradler Jan, der extra vom Bodensee angereist war, konkrete Tipps für die eigene Langzeitreise. Ein 26er- oder doch lieber ein 28er-Rad? Die Antwort von Tilmann Waldthaler, des schmunzelnden Altmeisters der Globetreter, der in dreißig Jahren schon über 400.000 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt hat: „Das ist nicht entscheidend. Fahr einfach los, Junge!“
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