Das Wichtigste vorweg: Nein, die Sioux leben heute nicht mehr in Tipis, ihren typischen Zelten, die jahrhundertelang die traditionelle und praktische Unterkunft für die nomadischen Indianer der großen Prärien, der „Great Plains“, waren.
Heute wohnen die Sioux in Häusern oder
sogenannten Trailer-Homes, das sind riesige Wohnwagen, die
meist stationär in einer Siedlung aufgestellt werden.
Auch sonst unterscheidet sich das Leben der Indianer nicht
wesentlich von dem der anderen Amerikaner. Zumindest oberflächlich.
Denn trotz übermächtigem Einfluss der westlichen
Zivilisation mit allen positiven und negativen Folgen besinnen
sich die Indianer wieder zunehmend auf ihre traditionellen
Werte und Wurzeln.
Man weiß nicht genau, wie viele indigene
Menschen in Nordamerika lebten, bevor die ersten Weißen
kamen. Die Schätzungen schwanken zwischen 5 und 100 Millionen.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Eine Zahl
aber ist überliefert und dokumentiert. Die der verbliebenen
Indianer um das Jahr 1890, am Ende der „Indianerkriege“.
Weniger als 240.000 hatten den größten Völkermord
in der Geschichte der Menschheit überlebt. Die meisten
waren zurück gedrängt in karge Reservate, von denen
es auch heute noch etwa 300 gibt, die allerdings nur etwa zwei
Prozent der Landfläche der USA umfassen. Bei der letzten
Volkszählung im Jahr 2000 gaben 3-4 Millionen Menschen
an, indigener Herkunft zu sein. Weniger als ein Viertel davon
lebt heute noch in Reservaten.
Anders ist die Situation in South Dakota, einem Bundesstaat im mittleren Westen der USA. Obwohl kaum kleiner als Deutschland leben hier nur rund 700.000 Menschen, überdurchschnittlich viele davon sind Indianer. Es gibt neun Reservate, eines der größten ist Pine Ridge mit über 30.000 Lakota, wie sich die Sioux selbst nennen. Der Name steht auch für einen der Sprachdialekte der Sioux (die anderen sind Dakota und Nakota). South Dakota ist Heimatland für viele Sioux-Stämme. Auch die berühmten Krieger und Häuptlinge Crazy Horse, SittingBull und Red Cloud lebten hier.
Interessant sind besonders die Black Hills, die heiligen Berge der Lakota, wo für sie das Herz der Erde schlägt und der Ursprung allen Lebens liegt. Außerdem sind die Black Hills das älteste Gebirge Nordamerikas, mit dem höchsten Punkt der Welt – östlich der Rocky Mountains und westlich der Pyrenäen. Allerdings misst der „Harney Peak“ für alpine Verhältnisse eher durchschnittliche 2200 Meter.
Vor allem für amerikanische Touristen spannend: Mount Rushmore, das riesige Porträt der vier US-Präsidenten Washington, Lincoln, Jefferson und Roosevelt, das man in 14 Jahren aus dem Granit der Black Hills gemeißelt hat, und das heute als Nationalheiligtum gilt. Noch beeindruckender aber ist Crazy Horse Mountain, das größte Monument der Welt. Es liegt nur unweit vom Mount Rushmore und zeigt den größten Krieger der Lakota auf einem Pferd. Seit fast 60 Jahren baut man jetzt an diesem Denkmal, das ein indianischer Häuptling angeregt hatte. Rund zweihundert Meter lang soll es werden, fast genauso hoch. Allein zehn Jahre hat man am Gesicht von Crazy Horse gearbeitet. Der Zeitpunkt der endgültigen Fertigstellung ist ungewiss.
In den Black Hills ist auch eine der größten noch frei lebendenBüffelherden der USA zu Hause. Im Custer State Park zählt man 1500 bis 2000 Tiere. Weitere Büffel findet man in den Badlands, einer halbwüstenartigen, kargen Landschaft mit einzigartigen, schroffen Felsformationen und endlos weiter Prärie. Zeugnis eines riesigen Binnenmeeres, das früher einmal hier existiert haben soll.
Genau durch die Mitte von South Dakota schlängelt sich der Missouri, der abschnittsweise zu riesigen Seen aufgestaut wurde, um Strom zu erzeugen. Hier liegt auch Pierre, die Hauptstadt des Staates.
Jedes Jahr im Dezember begeben sich die Sioux auf eine besondere Reise durch dieses Land. Mit einem Gedenkritt erinnern sie an ihre Vorfahren, die beim Massaker von Wounded Knee 1890 ermordet worden waren. Zwei Wochen dauert der Pferdetreck, 350 Kilometer, immer entlang der Route, die Häuptling Big Foot mit seinen Gefolgsleuten damals genommen hatte, bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius. Am 29. Dezember, dem Jahrestag des Massakers, endet er dann am Wounded Knee im Pine Ridge Reservat.
Peter Hinz-Rosin und Dirk Rohrbach begleiten die Reiter auf dieser Reise. Und sie treffen Leonard Little Finger, den Ur-Ur-Enkel von Big Foot, in Barre, einem kleinen Ort in Massachusetts. Dort befinden sich in einem Museum viele Gegenstände, die Souvenirsammler den toten Indianern am Wounded Knee abgenommen hatten. Big Foot wurde sogar ein Bündel Haare abgeschnitten. Das möchte Leonard jetzt nach Hause holen, um mit einer Zeremonie den Lebenskreis seines Vorfahren endgültig zu schließen. Ob ihm das gelingt und was es sonst noch im Indianerland zu entdecken gibt, erfahren Sie in den Dia-Visionen „Auf den Spuren der Sioux“ und „Der Letzte Häuptling“.

